Ein spannendes und abwechslungsreiches Arbeitsgebiet

ZKG Technical Exkursion 2009, Lägerdorf/Deutschland (06.– 07.10.2009)

Im Oktober 2009 lud die ZKG (Zement-Kalk-Gips) INTER­NATIONAL, gemeinsam mit Holcim, Studentinnen und Studenten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg in das ­Zementwerk Lägerdorf (Bild 1) ein. Mit der Veranstaltung sollte für Studierende aus dem Ingenieurbereich die Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen und ihnen ein sehr spezielles Fachgebiet der Verfahrenstechnik und des Maschinenbaus erschlossen werden. Fast 50 Studenten aus den Fachbereichen Ver-
fahrenstechnik und Maschinenbau interessierten sich für die Zementindustrie. Von Seiten der HAW hatten Prof. Dr.-Ing. Theodor Hesse, Prof. Dr.-Ing. Martin Geweke und Prof. Dr.-Ing. Bernd U. Sankol die Veranstaltung unterstützt.


Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Werksleiter Morten Holpert (Bild 2) die Gäste aus Hamburg. In einem interessanten Vortrag stellte er den Holcim-Konzern sowie das Werk Lägerdorf vor. Mit Lägerdorf und dem Werk Höver bei Hannover sowie mit weiteren Standorten in Bremen (Hüttensand, Hüttensandmehle, Zement), Salzgitter (Hüttensandgranulation) und Rostock (Zement) ist die Holcim (Deutschland) AG für das Einzugsgebiet Norddeutschland gut aufgestellt. Im Werk Lägerdorf ist der Rohstoff im Gegensatz zu vielen anderen Zementwerken nicht Kalkstein sondern Kreide. Mit dem aktuell in Betrieb befindlichen Ofen 11 werden ca. 1.3 Mio. t/a Zementklinker produziert. Holpert wies darauf hin, dass er in Lägerdorf auf eine aktive und gut ausgebildete Mannschaft vertrauen kann. Viele Entwicklungen werden gemeinsam mit dem Werkspersonal gemacht. So wurde z.  B. ein Reglungskonzept für Kühler, Ofen und Kalzinator auf der Basis des ABB Expert Optimizer Systems  (EOS) gemeinsam mit der verfahrenstechnischen Abteilung von Holcim Limited entwickelt das einen automatischen Betrieb des Ofensystems ermöglicht.


Daran anschließend wurden den Teilnehmern Arbeitsfelder und Anforderungsprofile aus Sicht des Anlagenbaus vorgestellt (Bild 3). Den Auftakt der Veranstaltung gestalteten Torsten ­Seemann, Thomas Hannemann und Kai Lässig von der Siemens AG. Sie zeigten, dass auch in einem elektrotechnisch geprägten Unternehmen verfahrenstechnisches Know-how ein wichtiger Bestandteil ist, z.  B. um die Programmierung von Abläufen prozessnah gestalten zu können. Dann stellte Heinz Werner Bunse, Haver & Boecker,  die Anforderungsprofile im Zementanlagenbau mit Schwerpunkt Verpackungstechnik vor. Im Laufe der Jahre sind Verpackungsmaschinen hochtechnologische Produkte geworden, bei denen Automatisierung, Effizienz und Energieeinsparung eine wichtige Rollte spielt. Geräte neuester Generation erlauben beispielsweise, dank kontinuierlicher Weiterentwicklung, höhere Durchsätze bei geringerer Baugröße. Bunse wies auch darauf hin, dass bei Haver & Boecker ausbildungs- und berufsbegleitende Studien z.  B. mit der Haver ­Academey gezielt unterstützt werden.


Am Nachmittag des ersten Tages fand eine Werksbesichtigung statt (Bilder 4 und 5). In drei Gruppen, geführt von Morten ­Holpert, Torsten Krohn und Hendrik Leopold, konnte das Werk besichtigt werden. In einer geselligen Abendveranstaltung mit Studenten, Lehrkräften und Vertretern der Industrie wurden dann die Eindrücke des Tages diskutiert und vertieft.


Am zweiten Exkursionstag zeigte Thomas-Christian Neuhaus von der IKN GmbH, welche komplexen Anforderungen bei der Planung und Konzeption von Klinkerkühlern auf die Ingenieure wartet. Thermische, chemische und mechanische ­Aspekte gilt es bei der Konzeption von Klinkerkühlern zu berücksichtigen. Er wies darauf hin, dass Flexibilität eine wichtige Voraussetzung für den Vertriebsingenieur ist.


Daran anschließend formulierte Jürgen Bostelmann, IBAU Hamburg, das Anforderungsprofil für den Ingenieur im Hinblick auf das IBAU-Produktportfolio. Am Beispiel kontinuierlicher und nicht-kontinuierlicher Mischsysteme konnte er anschaulich darlegen, dass hinter den Kulissen komplexe verfahrenstechnische Prozesse aktiv sind. Deren Beherrschung setzt Know-how und Erfahrung der Verfahrenstechniker voraus. Nur so können z.  B. schnelle Produktwechsel, homogene Vermischung und lange Standzeiten gewährleistet werden. Aber auch beim Silobau sind vielfältige Rahmenbedingungen zu beachten, steigen doch die Kapazitäten besonders neuer Ofenlinien beständig an.


Den zweiten Tag beschloss eine Exkursion zum Exportterminal der Holcim Deutschlang AG in Brunsbüttel. Durch das Export­terminal Brunsbüttel (Bild 6), gebaut 2006, können 600 000 t/a
Zement und 100 000 t/a Flugasche umgeschlagen werden. Am Terminal wurde vor kurzem die millionste Tonne Zement umgeschlagen. Die Anlage wurde nach sorgfältiger Vorplanung gemeinsam mit dem Werksteam von Lägerdorf und IBAU in Rekordzeit von ca. 3 Monaten aufgebaut. Matthias Gleimius und Jürgen Bostelmann führten die Gruppe durch die Anlage. Mit ihrer Hilfe konnte z.  B. ein Auftrag für die Entwicklung und Lieferung von Spezialzementen für eine Gaspipeline (Nord Stream-Projekt) von Vyborg/Russland nach Greifswald gesichert werden. 2/3 der Pipeline werden von Saßnitz ausgehend fertig gestellt. Von Lägerdorf wird der Zement mit der Bahn nach Saßnitz geliefert. Der Zement für das letzte Drittel wird auch von Holcim aber per Schiff von dem Exportterminal in Brunsbüttel nach Hamina/Finnland bereitgestellt.


Die Studenten waren von der Exkursion (Bild 7) mit den Fachvorträgen und Werksbesichtigungen begeistert. Eine rege Diskussion nach jedem Vortrag zeigte, dass das Interesse nach möglichst vielen Hintergrundinformationen groß war. Die ersten Kontakte sind auch schon geknüpft. „Etwa 20 Studenten haben sich bereits bei Holcim online gemeldet und ihr Interesse am Unternehmen signalisiert“, berichtet Morten Holpert. „Als einen ersten Schritt haben wir die Interessenten in den Verteiler der Hauszeitung aufgenommen. So können Sie sich über die Entwicklung des Unternehmen informieren und mit der Firma in Kontakt bleiben.“


„Auf der Exkursion haben wir vertiefte Eindrücke in ­Abläufe und Prozesse in der Zementindustrie erhalten können“ so ­Janko Ramm, Student an der HAW, nach der Veranstaltung. „Die Exkursion war eine hervorragende praxisnahe Ergänzung zu dem Vorlesungsstoff der Anlagentechnik und der mechanischen Verfahrenstechnik!“ sagte Prof. Hesse. Und auch Prof. Geweke zog ein positives Fazit: „Auf dieser Exkursion ist für die Studierenden deutlich geworden, dass Massenproduktion und Präzision in der Zementindustrie zusammengehören.“


Die Arbeit als Verfahrenstechniker oder Maschinenbauer in der Zementindustrie kann interessant und abwechslungsreich sein. Es kommt darauf an, was man daraus macht.⇥


Weitere Informationen und Bilder unter: www.zkg-online.info oder bei Christian Reinke, Christian.Reinke@bauverlag.de 

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