CO2-Abscheidung und -Speicherung

11. KBU-Kolloquium zu Wirtschaft und Umweltrecht, Aachen/Deutschland (25.01.2011)

Über 50 Fachleute trafen sich in Aachen (Bild 1) um sich über den letzten Stand zu CCS (Carbon Capture and Storage, CO2-Abscheidung und -Speicherung) zu informieren. In Deutschland liegt zu diesem Thema eine neue Version des Referentenentwurfs für ein Gesetz zur Demonstration der dauerhaften Speicherung von Kohlendioxid (Kohlendioxid-Speicherungsgesetz – KSpG), u.a. für die bis zum 25.06.2011 umzusetzenden EU-Richtlinie 2009/31/EG, vor. Eine Kabinettentscheidung stand zum Zeitpunkt des Kolloquiums allerdings noch aus.

 

Nach einführenden Worten von Prof. Dr. Walter Frenz (Bild 2), RWTH Aachen, begannen die Vorträge mit eingeladenen Referenten. In vielen Vorträgen waren der erste Referentenentwurf sowie dessen novellierte Version ein Thema. Wesentliche Änderungen der aktuellen Version sind die Beschränkung von CCS-Projekten als Demonstrationsprojekte und eine Prüfungsnotwendigkeit konkurrierender Technologien. Eine Förderung von Projekten ist nur bis 2015 (Eingang der vollständigen Antragsunterlagen) möglich. Bis 2017 soll eine Evaluationsperiode folgen, in der festgelegt wird, welche weiteren Schritte möglich und notwendig sind. Während die Entwicklung in Deutschland schleppend verläuft sind CCS-Projekte in vielen Teilen der Welt wesentlich weiter entwickelt, z. B. in Amerika.

 

Prof. Dr. Christian Pielow, Ruhr-Universität Bochum, mit einem Vortrag zu dem allgemeinen Rahmen der CO2-Speicherung. Pielow wies darauf hin, dass in den letzten Entwürfen CCS als Brücketechnologie zu werten ist, die den Weg von fossilen Energieträgern zu alternativen Energiequellen klimaschonend unterstützen soll. Er schloss allerdings mit der Frage, ob für eine solche Brückentechnologie der doch gewaltige finanzielle, logistische und politische Aufwand sich lohnt. Daran anschließen stellte Frank Thiemler, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen den Standbpunkt eines Bundeslandes vor. Er wies u.a. darauf hin, dass nicht allein die Kraftwerke in die Entwicklung von CCS-Technogien berücksichtig werden sollten, sondern auch die Zement-, Stahl- und Chemieindustrie.

 

Daran anschließend stellte Peter Franke, Leitender Ministerial­rat am Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr, fest, dass das Interesse an der untertägigen Nutzung der Erde überall immer weiter steige. Möglicherweise sei eine Art „Raumordnung unter Tage“ nötig, um in Zukunft ein Koordinationsinstrument für eine gerechte und strukturierte Nutzung des Untergrundes zur Verfügung zu haben. Dr. Andreas Wasielewski, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein, begründete die eher ablehnende Haltung des Bundeslandes Schleswig-Holsteins gegenüber CCS. Eine sehr skeptische Haltung der Bevölkerung sowie ein klares politisches Statement gegen CCS sowie die konkurrierenden Potentiale für Geothermie und Rohstoffspeicherung führen dort dazu, dass mit allen Mitteln CCS verhindert werden soll. Obwohl das Gesetz eine Einflussnahme der Länder im Rahmen der Raumordnungsplanung vorsieht bedeutet das nicht, dass eine Untersagung der CO2-Speicherung mittels Landesplanung wirklich möglich ist.

 

Im Anschluss referierte PD Dr. Michael Kühn, Deutsches ­GeoForschungsZentrum GFZ aus Potsdam, über die CO2-Speicherung am Pilotstandort Ketzin (Bild 3). Aus zwei 50 t fassenden Silos, die kontinuierlich per LKW nachgefüllt werden, wurden in Ketzin seit dem Start der Injektion am 30.06.2008 bereits 45 000 t CO2 verpresst. Kontinuierliche Messungen des Bodengases in 60 cm Tiefe an der Erdoberfläche zeigen, dass aus natürlichen Quellen ca. 40 000 t CO2 pro Jahr aus dem Abbau organischer Substanz im Boden entweichen. Daran hat sich seit dem Start der Verpressung nichts geändert. Über zwei Beobachtungsbohrungen findet die Überwachung statt. Über den Einsatz begleitender seismischer und geoelektrischer Messungen findet eine Tomographie des Untergrundes statt der den CO2-gefüllte Porenraum abbildet und so die Migration des CO2 im Speicher­gestein Sandstein visualisiert. Geo­chemische Überwachungen und Reservoirmodellierungen ergänzen das Untersuchungsspektrum. Kühn sagte, dass nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand eine Verpressung technisch im Industriemaßstab möglich sein sollte. In Ketzin wird zurzeit noch lebensmittelreines CO2, welches flüssig angeliefert und dann nach Aufheizen gasförmig in den Untergrund verpresst wird, verwendet. Es ist geplant, in näherer Zukunft auch CO2 aus der Abscheide-Pilotanlage des Kraftwerks Schwarze Pumpe einzusetzen. Kühns abschließender Vorschlag: Ein CO2-Speicher unter dem Reichstag, damit die Politik positive Signale für eine seiner Meinung nach sichere Technologie geben kann.

 

Dem Themengebiet „Speicherbezogene Nutzungskonflikte“ widmete sich dann Prof. Dr. Bernd Dammert, RAe Dr. Dammert & Steinforth. Nicht nur Geothermie, auch die Wassernutzung und die Kohlenwassertoffexploration können mit CCS konkurrieren. Bei der Geothermie weise nur die tiefe Geothermie ein Überschneidungspotential auf. In Bezug auf die Wassernutzung wies Dammert auf die existierende, exzellente Datenlage hin die eine gute Basis für einen quantitativen Vergleich bieten würde. Im Hinblick auf Kohlenwasserstoffe gibt es bereits Vorstufen für ein Projekt in der Altmark, bei dem ein Gasproduzent sowohl die Stimulation existierender Reservoire mittels CO2 (EGR, Enhanced Gas Recovery) als auch die Verpressung projektiert. Konflikte können nach Dammert eher bei Neuerkundungen und Förderungen entstehen.

 

In seinem abschließenden Vortrag referierte Prof. Dr. Walter Frenz über die „Die Vorwirkung der CCS-Richtlinie“. Er konstatierte, dass die Entscheidung über Genehmigungsanträge vermutlich bis zum eventuellen Inkrafttreten des KSpG offen gehalten werden müssen, da keine unmittelbare Direktwirkung noch eine Vorwirkung anzunehmen seien. Allerdings gelte das Frustrationsverbot, nach dem während der Umsetzungsfrist keine Vorschriften erlassen werden dürfen, die das in der Richtlinie vorgeschriebene Ziel ernstlich in Frage stellen können.

 

Den Teilnehmer bot sich eine sehr umfassende Darstellung des Themas CCS in Deutschland, sowohl aus rechtlicher als auch geotechnischer Sicht. Wenn es in Deutschland auch potentielle Speichergebiete, z.B. im Großraum des Norddeutschen Beckens, gibt, sieht das Land das Thema CCS eher skeptisch. Offene Fragen zur Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Nachsorge tragen dazu bei.

 

Fast alle Beiträge sind in einem Berichtsband veröffentlicht. Er kann unter dem Titel „CO2-Sequestration (CCS)“ in der Schriftenreihe der GDMB als Heft 124 bestellt werden. Das 12. Kolloquium zu Wirtschaft und Umweltschutz wird am 24.01.2012 in Aachen/Deutschland zum Themenbereich „Energieleitungen“ stattfinden.

 

www.gdmb.de

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