Von Ingenieuren für Ingenieure

ZKG TECHNICAL EXCURSION, Leimen/Germany (29.–31.05.2012)
Die Zementindustrie ist ein spannender, abwechslungsreicher und anspruchsvoller Industriebereich. Davon konnten sich fast 50 angehende Ingenieurinnen und Ingenieure aus den Fachgebieten Verfahrenstechnik und Maschinenbau sowie anverwandten Studiengängen auf der ZKG-Fachexkursion 2012 überzeugen. Gastgeber war dieses Jahr HeidelbergCement. Im Werk Leimen von ­HeidelbergCement und der HC-Hauptverwaltung in ­Heidelberg konnten die Studenten in Theorie und Praxis einen Einblick in die Zementherstellung bekommen. Gemeinsam mit Industriepartnern wurden die einzelnen Prozessschritte vorgestellt und in Diskussionen vertieft. Der erste Programmpunkt auf der diesjährigen Agenda war die Besichtigung des Steinbruchs in Nussloch (Bild 1). Uwe Klein (HeidelbergCement) führte die interessierten Teilnehmer in verschiedene Möglichkeiten der sprengtechnischen Rohmaterialgewinnung ein (Bild 2). Soviel zur Theorie, dann folgte die Praxis. Die Teilnehmer konnten einer Gewinnungssprengung beiwohnen. Danach stellte Melanie Meier (Geopark Ranger) Geologie, Fauna und Flora vor. Biodiversität, Renaturierung und nachhaltiges Steinbruchmanagement sind Aspekte, die auch bei ­HeidelbergCement als global agierendem Zementkonzern ganz oben auf der Agenda stehen. Im Anschluss an die Steinbruchbesichtigung ging es ins Werk. In drei Gruppen, geführt von Wilfried Fendler, Herwig Marx und Wolfgang Bender, wurden die Teilnehmer entlang der Produktionskette durch das Werk geführt.

 

Zementwerk Leimen

In Leimen werden die Rohstoffe aus dem Steinbruch Nussloch einem Brecher aufgegeben und dann über ­einen CrossBelt-Analyzer geführt. Von dort werden sofort Daten zur Rohstoffzusammensetzung ins ca. 6 km entfernte Werk übermittelt. Eine direkte Rückmeldung zum Radladerfahrer im Bruch informiert diesen über die etwaige Notwendigkeit, den Rohstoffmix mit reinem Kalkstein oder Löß vorab zu korrigieren. Von der Bandanlage wird das Rohmaterial einer Seilbahn übergeben, die das Rohmaterial mit 250 Loren (Bild 3) in das 5,6 km entfernte Werk liefert. In dem Rohmaterialmischbett (Koch Transporttechnik GmbH) ist Platz für 18 000 t Rohmaterial. In der Mischzone werden die Rohmaterialien gelagert und homogenisiert bevor sie mit dem Abbaukratzer abge­zogen und zu der Rohmühle, einer Walzenschüsselmühle (Gebr. Pfeiffer SE), transportiert werden. Diese hatte 2008 einen neuen Schlauchfilter (Scheuch) zur Einhaltung der Emis­sionswerte der Mahltrocknungsanlage erhalten (Bild 4). Von der Rohmühle wird das Rohmaterial einem Homogenisiersilo aufgegeben und danach zu einem Granulierteller transportiert. Leimen ist eines der wenigen Werke in Deutschland, welches mit einem Lepol-Ofen ­arbeitet (Bild 5). Mit dem Granulierteller wird das Rohmaterial zu Granalien aggregiert und dann dem mit Kohle beheizten Rostvorwärmer mit Trocken- und Heißkammer aufgegeben. Am Ende des Lepol-Vorwärmers sind die Granalien auf ca. 850 °C vorgeheizt und werden dem ­Lepol-Ofen aufgegeben. Am Ofeneinlauf werden dann noch Altreifen zudosiert. Der Brenner der Ofenanlage wird mit produktionsbedingten industriellen Kunststoffabfällen, Altöl, Lacken, Braunkohle und Petrolkoks sowie Tiermehl als Brennstoff gefahren. Die beiden Ofenanlagen haben genehmigt eine Kapaziät von 1000 t/d und 1500 t/d. Am Ende des Ofens kühlt der Revers-Klinkerkühler (Fuller) den Klinker ab. Entstaubt werden die Ofenlinien über Elektrofilter. Aus dem folgenden Klinkersilo wird der Klinker den Mahlkreisläufen zugeführt. Diese bestehen aus einer Gutbettwalzenmühle für Hüttensand und Zweikammer-Rohrmühlen, die im Sichter-Umlaufverfahren betrieben werden. Über Zyklon-Umluftsichter wird der Zement abgeschieden und den Zementsilos aufgegeben. Von dort aus können die verschiedenen Endprodukte der Packerei (ca. 10 %) zugeführt oder per Silo-LKW (ca. 90 %) abtransportiert werden.

 

Vortrags- und Diskussionsprogramm

Nachdem sich die Teilnehmer über Zementherstellung in der Praxis informieren konnten, begann in der ­HeidelbergCement-Hauptverwaltung in Heidelberg das Vortragsprogramm. Die Vortragenden referierten zu den ­folgenden Themen:  

Rohmaterialaufbereitung (Norman Heuckmann, Projektierung, ThyssenKrupp Polysius AG, Beckum/Deutsch­land)

Hochgenaue Dosierung im Zementwerk (Arnd Kuralt, FLS Pfister GmbH, Augsburg)

Moderne Aufbereitungstechnik in den Bereichen Mahlen, Sichten, Trocknen, Löschen und Kalzinieren (Dr. Caroline Woywadt, Manager Process Department, Gebr. Pfeiffer SE, Kaiserslautern)

Pyroprozess Engineering im modernen Zementwerk (Dr.-Ing. Heiko Schürmann, Projektmanager, KHD Humboldt Wedag GmbH, Köln)

Refratechnik Feuerfestmaterialien – Innovationen für die Zementindustrie (Dr. Ulrich Zielinski, Area Sales Manager Zentral- und Osteuropa)

Austragungssysteme für Schüttgüter (Reiner Furthmann, Leiter Technik, Aumund Fördertechnik GmbH, Rheinberg)

Karriere bei der HeidelbergCement AG: Der Konzern stellt sich vor (Marion Kinscher, Leiterin Personalentwicklung Deutschland HeidelbergCement AG, Heidelberg)

 

Ziel der Vorträge war, die im Werk in der Praxis erfahrenen Prozesse mit einem technischen Hintergrund zu verknüpfen. Die Referenten konnten an vielen Teilprozessen zeigen, dass das Anforderungsprofil an einen Ingenieur in der Zementindustrie vielfältig ist und fachliche Tiefe und Detailwissen erfordert. Kristina Brehm (Polysius) und Erik Tresbach (KHD) stellten Ihre Unternehmen und deren Anforderungsprofile an junge Ingenieure auch aus Sicht der Personalverantwortlichen vor.

Marion Kinscher konnte für die abschließende Vorstellung der Karrierechancen bei HeidelbergCement noch zwei junge Ingenieure gewinnen, die das HC-Traineeprogramm für technischen Nachwuchs erfolgreich durchlaufen bzw. durchlaufen hatten. Thomas Schmidt wies darauf hin, dass man, wenn man Interesse an der Industrie zeigt, bei HeidelbergCement die notwendige Unterstützung für die persönliche Weiterentwicklung erhält. Jens Lehning betonte, dass die Zementindustrie im Vergleich zu vielen anderen Industriebereichen für junge Ingenieure ein breit gefächertes, abwechslungsreiches Arbeitsgebiet ist. Die persönliche berufliche Entwicklung kann schnell voranschreiten, und die Möglichkeit frühzeitig verantwortungsvolle und spannende Aufgaben zu übernehmen, sei in hohem Maße gegeben.

Im Anschluss nutzten die Teilnehmer ausgiebig die Gelegenheit, mit den Referenten in den Dialog zu gehen. Die Meinung der Teilnehmer war am Ende einhellig: Die Erwartungen an die Veranstaltungen wurden erfüllt. Die Organisation vor-Ort seitens HeidelbergCement war perfekt.

ZKG1213R8

Auf www.zkg.de finden Sie weitere Bilder aus dem Steinbruch, von der ­Sprengung, aus dem Werk und von der Veranstaltung. Geben Sie dazu den Webcode ZKG1213R8 in das Suchfeld ein oder wählen Sie den Menüpunkt „Exkursionen“ an (nur in Deutsch verfügbar).

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