90 Jahre innovative Lösungen für ­anspruchsvolle Schüttgüter

AUMUND Fördertechnik
Am 03.08.1922 setzte Professor Heinrich Aumund (Bild 1) mit der Gründung der Aumund Fördererbau GmbH in Berlin den Grundstein für ein weltweit agierendes Unternehmen mit innovativen und Kunden orientierten Lösungen für den Transport anspruchsvoller Schüttgüter. Der Ort ist 90 Jahre später ein anderer; die Geschäftsidee nicht: Im niederrheinischen Rheinberg (Bild 2) werden bis heute neuartige Konzepte entwickelt und umgesetzt um alte Leistungsgrenzen zu sprengen.

Seit dem ersten Patent für einen Waggon­kipper zur Entladung von Zügen im Jahr 1922 haben viele weitere Patente den Anspruch des Gründers untermauert, neue und innovative Transport- und Umschlaglösungen zu entwickeln. Bis heute ist dies ein fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Erfindergeist und Mut, Neues zu probieren, reicht aber nicht aus, um den Erfolg über so viele Jahre hinweg immer wieder zu bestätigen. Eine weitere Fähigkeit ist zwingend erforderlich, um aus guten technischen Lösungen erfolgreiche Produkte zu machen. Franz-Walter Aumund, Firmenchef in dritter Generation, bringt es auf den Punkt: „Die Frage ist nicht, was ist technisch machbar. Wer im Markt bestehen will, muss fragen, wie er das beste Ergebnis für den Kunden erreicht.“

Der Grundsatz, dass das Material und seine Eigenschaften sowie die Anwendung und sein konkretes Umfeld die Wahl des Förderers bestimmen, bestimmt sowohl die Kundenbeziehung als auch die Arbeit in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Denn schon in diesem Stadium werden die Weichen für die spätere Wirtschaftlichkeit der ganzen Anlage gestellt. Die Konsequenz aus diesem Grundsatz ist in jeder Hinsicht erfreulich: Die Kunden bekommen Geräte, die der jeweiligen Aufgabe angepasst sind und dauerhaft zuverlässig laufen. Aumund profitiert von einem daraus resultierenden Ruf als Anbieter sehr zuverlässiger und leistungsfähiger Maschinen. Und das gleichermaßen in sehr unterschiedlichen Industriezweigen.

Aus der Fördertechnik für den deutschen Bergbau her kommend, hat Aumund schnell eine Reihe unterschiedlicher Fördergeräte entwickelt, die heute in der Zement- und Metallindustrie, in Kraftwerken, im Bergbau, aber auch in vielen anderen Bereichen, in den große Mengen Schüttgüter kontinuierlich transportiert werden müssen, eingesetzt werden (Bild 3). Einen besonderen Namen haben sich dabei zum Beispiel die Kurzzellenbänder (Bild 4) gemacht. Sie werden etwa beim Heißguttransport in der Zement- oder Metallindustrie (Klinker, Sinter, Pellets etc.) eingesetzt, aber auch beim Transport extrem abrasiver Materialien. Ähnliches gilt auch für Aumund Buckelplattenbänder, die in der Schwerlastausführung im Bergbau oder Steinbrüchen zur Beschickung von Brechern eingesetzt werden.

Neben der Horizontalförderung bis 60 Grad Neigungswinkel spielt auch die Vertikalförderung eine sehr wichtige Rolle (Bild 5). Aumund Gurtbecherwerke schaffen heute Förderleistungen bis 1500 t/h, Förderhöhen bis 160 m und dank einer soeben in den Markt gebrachten, speziellen Konstruktion, sind sie auch geeignet für den Transport grobkörniger Fördergüter. Ein spezielles Design macht sie auch bei Umgebungstemperaturen bis 130 °C zuverlässig einsetzbar. Wann immer es bei modernen Zementwerken am Vorwärmturm besonders hoch hinausgeht, sind daher Aumund Becherwerke häufig anzutreffen.

Bei den Kettenbecherwerken hat Aumund in zweierlei Hinsicht einen eigenen Weg eingeschlagen, der seit vielen Jahren überzeugende Leistungen zeigt: Im Gegensatz zu anderen Anbietern setzen die Rheinberger Experten auf ein Design mit Zentralkette. Die von Aumund entwickelte Kette ist in verschiedenen Varianten verfügbar. In der stärksten Variante reicht die Bruchlast der Kette (­Aumund Typ AU19) bis zu einer Bruchkraft von 2400 kN. In dieser Ausführung wird sie etwa im neuen Dreifach-Ketten­becherwerk (Aumund Typ BW-T) eingesetzt (Bild 6), das Förderkapazitäten bis 4000 t/h leisten kann.

Die Grenze der Belastbarkeit, da ist Aumund sicher, ist noch nicht erreicht. Neue Prozesse und Materialien werden auch weiterhin Anpassungen der Geräte an die unterschiedlichen Bedürfnisse erfordern. Die zurückliegenden 90 Jahre Unternehmensgeschichte liefern auch in dieser Hinsicht guten Grund zum Feiern. Denn der Erfolg war stets ein treuer Begleiter. Was in Rheinberg vor vielen Jahren in einer alten Werkstatt begann, ist heute ein Betrieb mit weltweit mehr als 400 Mitarbeitern, eigener Produktion und weltweiten Service-Standorten.

Dazu passen auch die strategisch wichtigen Zukäufe seit der Jahrtausendwende. Dabei legte das Führungsteam großen Wert auf die Verbreiterung der Produktbasis. So wurden mit der englischen B&W Mechanical Handling Ltd. und der SchadeLagertechnik GmbH zwei Unternehmen in die Gruppe eingegliedert, die wichtige Felder der Förder- und Lagertechnik abdecken. B&W steht dabei vor allem für mobile Fördergeräte zum Beispiel für Häfen und Terminals; Schade steht für modernste Lagertechnik, die vor allem in Kraftwerken und überall dort eingesetzt wird, wo große Mengen Schüttgut bevorratet und umgeschlagen werden müssen.

Für die Zukunft ist das Unternehmen gut gerüstet. Die operative Geschäftsführung hat Franz-Walter Aumund kürzlich an Dr.  Volker Brandenburg und Jörg Hoffmann übergeben, der zuvor bei Schade in gleicher Position tätig war. In den Auslandstöchtern in Brasilien, China, Frankreich, Indien, Hong Kong und USA sowie in den Produkt­gesellschaften Aumund, B&W und Schade hat sich ein Management-Team zusammengefunden, das dieselben Ziele konsequent verfolgt. Franz-Walter Aumund: „Wenn wir unseren Grundsätzen treu bleiben und konsequent Kundennutzen, Qualität und Innovation in den Vordergrund stellen, dann haben wir allen Grund, uns darauf zu freuen, was die nächsten 90 Jahre bringen.“

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