Special China

Verbesserung der Normierung

5. Chinesische Messe für Mörteltechnologie und Mörtelprodukte, Beijing/China (04.–07.03.2009)

Vom 04.-07.03.2009 fand in den neuen internationalen Messehallen in der Nähe des Capital Airport die 5. ­China ­Exhibition of Mortar Technology & Products als Teil der ­China Build + Deco Fair 2009 (Messe für Bau und Deko) statt. Die China Build + Deco Fair 2009 präsentierte mehr als 6000 Stände auf über 100 000 m2. Die China Dry Mix Mortar Association (ein mit der CBMC verbundener Verband) ­hatte einen Trockenmörtelpavillon mit mehr als 60 Ausstellern organisiert. Besucher aus ganz Asien besuchten die Veranstaltung und die Konferenz, um ihre Ideen über das zukünftige Wachstum und die Förderung der Trockenmörteltechnologie in ­China auszutauschen. Ferdinand Leopolder von drymix.info war ebenfalls als Redner an dem Vortragsprogramm be­teiligt. Ted Wang (Bild 1), Consultant bei Marcchem GmbH (ein deutsch-chinesisches Unternehmen) und früherer Mitarbeiter von Wacker und ­Maxit, interviewte für ZKG INTERNATIONAL Ferdinand Leopolder über seine Erfahrungen bezüglich der Konferenz und der Trockenmörtelindustrie in China.
 
Ted Wang: Herr Leopolder, was hat Sie dazu veranlasst, an dieser Konferenz teilzunehmen?
Ferdinand Leopolder: Global betrachtet war die Trockenmörtelindustrie im letzten Jahrhundert eher eine europäische Angelegenheit. Natürlich gab es einige interessante, entfernter liegende Märkte, aber diese Regionen erreichten nicht annähernd das Volumen und den hohen westeuropäischen Entwicklungsstand der Märkte in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich oder Skandinavien. Das änderte sich grundlegend, als China Anfang dieses Jahrhunderts in den Fokus trat. Letztes Jahr übertraf die chinesische Trockenmörtelproduktion den bis dahin größten Markt: Deutschland. Wenn die Prognosen stimmen, wird China bis 2012 über 50  % des Weltvolumens an Trockenmörtel produzieren. In diesem Licht war es nicht erforderlich, mich für eine Teilnahme an dieser Messe zu überzeugen, die die größte ihrer Art in Nordchina ist.
 
Ted Wang: Wie würden Sie den Besuch beschreiben?
Ferdinand Leopolder: Ich persönlich habe angeregte Diskussionen mit vielen Trockenmörtelexperten aus China geführt. Darunter waren nicht nur Vertreter der F&E und auch der Produkt­entwicklung im Bereich Trockenmörtel, ich traf auch viele namhafte Akteure der Zulieferindustrie. Einige Fachinitiativen, z. B. das Technical Committee for Tiling (Technischer Ausschuss für Fliesenverlegung), TCT, präsentierten ihre Produkte und standen für Fragen zur Verfügung. Der Trockenmörtelpavillon war ebenfalls gut besucht.
 
Ted Wang:  Welche zusätzlichen Programmpunkte gab es während der Messe?
Ferdinand Leopolder: Zusätzlich zu der Konferenz, die zwei Tage dauerte (etwa 20 Vorträge über verschiedene Mörtelthemen), war für mich der sehr praktische Ansatz von TCT, mit einem großen Stand im Trockenmörtelpavillon, höchst interessant.  Diese Initiative verband wirklich praktische Produktdemonstrationen mit weiteren, äußerst detaillierten Vorträgen direkt auf der Messe. Spezielles Informationsmaterial war für die Besucher vorbereitet worden, um generell das Trockenmörtelkonzept sowie im Speziellen hoch entwickelte Fliesenkleber und Fugenmassen vorzustellen. Unter den ausstellenden Firmen war das gesamte „Who’s who“ aus dem Bereich Spezialmörtel wie z. B. Ardex, BASF, C-Cure (Lizenz für Spezialbaustoffe), Laticrete, Mapei und Weber Maxit vertreten.
 
Ted Wang: Was sind derzeit „angesagte Themen“ in China?
Ferdinand Leopolder: Darüber hatte ich Gelegenheit, mit Mr. Zheng Quan, dem Präsidenten des China Drymix Mortar Council CBMC, zu diskutieren. Dessen Prognosen zufolge werden die so genannten Skim Coats (in China: „Wandspachtelmassen“) in Zukunft die größte Rolle spielen. Dies sind sehr dünne Mörtelaufträge als stabile Grundlage für Innen- und Außenanstriche. Allein in dieser Sparte erwartet der Council in den nächsten Jahren zweistellige Zuwachsraten.  Bezüglich der Spezialmörtel ist Wärmedämmung natürlich das Hauptthema. Da das Land China arm an Primärenergien ist, hat es seine Verantwortung erkannt, Ressourcen einzusparen und beachtliche Schritte unternommen, die Isolierung von bestehenden und geplanten Gebäuden zu verbessern. Es bestehen allerdings ernsthafte Qualitätsprobleme bezüglich installierter WDV-Systeme. Derzeit arbeiten die Gesetzgeber an einer Verbesserung der Normierung, mit Schwerpunkt auf Themen wie z. B. dem Verbot von XPS-Dämmplatten, der Spezifizierung von schwer entflammbaren Styroporplatten mit ausreichender Festigkeit und der Herausgabe von verbindlichen Spezifikationen für Bewehrungsgewebe und Mörtel. Das Hauptthema jedoch ist die Ausführungsqualität. Diverse Aktivitäten der Industrie, unter Führung von Baumit China, haben das Ziel, ein Ausbildungsprogramm für WDVS-Installateure zu erarbeiten. In Zusammenarbeit mit der Shanghai-Tongji-Universität, ganz nah am Campus, wurde, mit Unterstützung der Europäischen Union, ein Kompetenzzentrum für WDVS-Installation errichtet.
 
Ted Wang: Wie sehen Sie die Zukunft des Trockenmörtels in China?
Ferdinand Leopolder: Es besteht kein Zweifel daran, dass die Erfolgsgeschichte des Trockenmörtels in China sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Zum heutigen Zeitpunkt kann jedoch noch nicht beurteilt werden, welchen Einfluss die weltweite Rezession auf diese Entwicklung nimmt. Es scheint allerdings sicher zu sein, dass das Bündel gesetzlicher Maßnahmen (z.  B. Zwang zur Wärmedämmung, Verbot der Baustellenmischungen) jetzt Auswirkungen haben wird. Einige Änderungen werden jedoch ausschlaggebend für den Erfolg des Trockenmörtels sein. Erstens wird China vor allem den Systemcharakter der WDVS anpassen und umsetzen müssen (beim Versagen eines Teils versagt das gesamte System!). Zweitens wird China Qualifizierungszertifikate und Ausbildung für die derzeit völlig ungelernten Arbeitskräfte einführen müssen. Die aktuelle Rezession, durch die bereits Millionen von Wanderarbeitern zurück in ihre Heimat geschickt wurden, könnte die Gelegenheit bieten, dies umgehend einzuführen. Diese Arbeiter können als Fachkräfte zurückkehren, sobald das Geschäft wieder anzieht.
 
Ted Wang: Ich bedanke mich für das Interview.


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