Langfristiger Erfolg statt kurzfristiger Gewinn

Die ZKG INTERNATIONAL befragte Dr. Christoph Beumer, geschäftsführender Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung der BEUMER Gruppe, zur Firmenstrategie, zum Verhalten in Krisenzeiten und technologisch zukunftsträchtigen Entwicklungen.

ZKG: Welche Firmenstrategie erlaubt es einem Unternehmen, über lange Jahre hinweg erfolgreich zu agieren?

Dr. Beumer: Es gibt sicher kein Patentrezept, das Unternehmen verhilft, über Jahre erfolgreich zu agieren und das für alle Unternehmen gleichermaßen passt. Ich kann Ihnen aber sagen, welche Grundprinzipien unserem Unternehmen geholfen haben, über die 75 Jahre kontinuierlich und gesund zu wachsen. Das wichtigste Grundprinzip ist: Wir sind ein Familienunternehmen. Das bedeutet: Für uns ist nicht der kurzfristige Gewinn das Ziel, sondern der langfristige Erfolg. Das führt unmittelbar zum zweiten Grundprinzip von BEUMER: Wir wirtschaften und handeln nachhaltig. Nachhaltigkeit ist für uns kein Modeschlagwort, sondern wir verstehen den Begriff in seiner ureigensten Bedeutung: Die Ausgewogenheit zwischen ökologischem Anspruch, ökonomischem Erfolg und sozialer Verantwortung. Das bedeutet konkret, dass wir nicht nur Produkte und Lösungen anbieten, mit denen unsere Kunden Energie sparen können, sondern dass wir auch äußerst verantwortungsvoll mit Ressourcen jeglicher Art umgehen. Das bedeutet ebenfalls, dass wir unsere Mitarbeiter von Anfang an in alle betriebliche Prozesse einbinden, dass wir eine hohe Innovationsfreude haben, intensiv in Forschung und Entwicklung investieren und unsere Vertriebskollegen in permanentem Dialog mit der Technik stehen, um die Anforderungen der Märkte in die Entwicklung einzubringen. Das ist die Grundlage für unsere zukunftsorientierte Ausrichtung. Wir wollen kontrolliert wachsen, unser breites Angebotsspektrum ausbauen und uns noch globaler aufstellen. Das sichert den langfristigen Erfolg der BEUMER Gruppe.

ZKG: Welche Produkte haben besonders zu einer stabilen Entwicklung beigetragen?

Dr. Beumer: Ganz am Anfang war sicher die Entwicklung der dreidimensionalen Belademaschine ein wichtiger Meilenstein, um Zementsäcke auf Lkw zu verladen. Die Arbeiter wurden damit körperlich deutlich entlastet. Diese Belademaschine haben wir dann bis zur kompletten Automatisierung weiterentwickelt. Daraus entstand später der stationäre Palettierer. Oder ein ganz anderer Bereich: Die berührungslose Energieübertragung. In der Sortier- und Verteiltechnik haben wir durch diese Technik nach wie vor große Wettbewerbsvorteile. Ein weiterer Meilenstein waren auch die Becherwerke. Die Entwicklung hat mein Vater maßgeblich vorangetrieben. Als er die Ketten durch hochwertige Stahlseilgurte ersetzt hat, war das für die damalige Zeit bahnbrechend. Heute schaffen wir mit dem Gurt mehr als 175 Meter Achsabstand. In der Verpackungstechnik sichern unsere Kunden mit der Hochleistungs-Verpackungsmaschine BEUMER stretch hood® ihre Ladungen auf Paletten effektiv und gleichzeitig werbewirksam. Und vor kurzem haben wir in China eine Muldengurtförderanlage gebaut, die 12,5 Kilometer lang ist und über Berg und Tal geht.

ZKG: Wie und wann hat sich die Firma auf die Krise eingestellt?

Dr. Beumer: Natürlich haben auch wir 2009 gespürt, dass die Gesamtwirtschaft nicht so rund läuft, wie das in den Jahren zuvor der Fall war – zumal 2008 das Rekordjahr unserer bisherigen Firmengeschichte war. Doch das Jahr 2009 haben wir gut überstanden. Wir haben schwarze Zahlen geschrieben und wir haben keinen unserer Mitarbeiter entlassen müssen. Vielmehr haben wir uns 2009 nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wir haben das Jahr aufgrund der geringeren Projektlage als Chance genutzt, uns auf unsere Zukunft zu konzentrieren und unsere Hausaufgaben zu machen. Ein Teil dieser Hausaufgaben waren die Integrationen von Crisplant und KOCH Holding a. s. Nun zieht die Wirtschaft wieder an, und wir werden uns wieder verstärkt auf unsere Kunden konzentrieren dürfen – damit kommt auch das Wachstum.

ZKG: Wie sehen die Konzepte für die Zukunft aus?

Dr. Beumer: Für die Zukunft haben wir vor, uns weltweit noch besser und präsenter mit einem starken internen Netzwerk und einer starken internen Standardisierung aufzustellen. Das sorgt für kurze Entscheidungswege und schnelle Abläufe. Das hilft uns, noch besser auf die Anforderungen unserer Kunden zu reagieren. Dieser Prozess findet schon seit einigen Jahren in unserem Unternehmen statt, und er darf auch nicht abgeschlossen sein – Verbesserung und Weiterentwicklung sind kontinuierliche Prozesse. Mein Ziel ist es, das Unternehmen so aufzustellen, dass es mit unseren drei Geschäftsbereichen in verschiedenen Branchen und internationalen Märkten dauerhaft stabil arbeiten kann. Wenn ich das erreicht habe, kann ich beruhigt in Rente gehen und mich noch intensiver meinem Lieblingsfußballverein FC Schalke 04 widmen.

ZKG: Welchen Stellenwert haben Forschung und Entwicklung in der Firmengeschichte?

Dr. Beumer: Innovation war für unser Unternehmen immer einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren, und daran wird sich auch nichts ändern. Innovation bedeutet für uns, dass wir nicht nur neue Produkte herausbringen oder bestehende Lösungen weiterentwickeln, sondern vor allem das im Blick haben, was dem Anwender einen hohen Nutzen bringt und was marktfähig ist. Um das zu erreichen, muss man in der Entwicklungsarbeit strategisch vorgehen. Wir entwickeln in viele verschiedene Richtungen, um unsere Marktposition zu behaupten und auszubauen. Das betrifft vor allem die Grundlagenentwicklung, indem wir zum Beispiel die Gurte und Ketten immer weiter verbessern. Ein wesentlicher Teil unserer Entwicklungsarbeit findet jedoch auch projektspezifisch statt. Wir haben hier viel Know-how und Erfahrung. Damit wissen wir wirklich, was wir tun, wenn wir solche umfangreiche Fördertechnikanlagen für ein so anspruchsvolles Gelände auslegen und dann auch installieren, wie wir das vor kurzem in China mit der 12,5 km langen Gurtförderanlage gemacht haben. Zudem kommen uns unsere lokale Erfahrung  und auch die hohe Qualität unserer Komponenten, die wir dort einsetzen, zu Gute. Wir können uns auf die Tragrollen, Gerüste und Gurte wirklich verlassen. Sonst dürften wir solche Projekte gar nicht angehen.

ZKG: Wie sichert Beumer den Transfer von Erfahrungen und Fachwissen ausscheidender Mitarbeiter?

Dr. Beumer: Viele Mitarbeiter verbringen ihr gesamtes Arbeitsleben – zum Teil 40 oder 50 Jahre – bei BEUMER, sie sind Bestandteil der BEUMER Familie. Sie haben ein sehr breites Know-how, weil sie in ganz unterschiedlichen Bereichen Innovationen entwickelt haben und mit dem Unternehmen quasi mitgewachsen sind. Wenn sich abzeichnet, dass solche Know-how-Träger ausscheiden, suchen wir frühzeitig einen Nachfolger – entweder aus den eigenen Reihen oder von außerhalb –, der den erfahrenen Kollegen intensiv begleitet und das Wissen Schritt für Schritt übernimmt. Hinzu kommt: Wenn Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, stehen sie uns mit Rat und Tat zur Seite. Sie kommen immer noch hin und wieder ins Haus, und wenn Fragen akut werden würden, dürften wir sie auch zuhause anrufen. Das ist bei einer Familie so.

ZKG: Welche Maßnahmen werden ergriffen, um in Zukunft weiterhin auf genügend Experten zurückgreifen zu können?

Dr. Beumer: Wir setzen sehr stark auf Aus- und Weiterbildung. Es kann ja nicht sein, dass alle Welt jammert, sie bekomme keine Fachkräfte, aber jeder wartet darauf, dass andere etwas tun. Zum Beispiel bilden wir junge Menschen – übrigens auch Mädchen – in klassischen Fertigungsberufen aus und qualifizieren sie dann bei entsprechender Veranlagung weiter, dass sie später etwa in der Konstruktion oder im Vertrieb mitarbeiten können. Auszubildenden mit hohem Entwicklungspotenzial ermöglichen wir eine verkürzte Berufsausbildung mit anschließendem Fachhochschul-Studium, das wir mit einem Stipendium fördern. Überhaupt hat bei uns die Weiterqualifikation von Mitarbeitern einen sehr hohen Stellenwert. Wir bereiten junge Menschen auf künftige Führungsaufgaben vor oder wir vermitteln Kompetenzen, damit sie sich sicher im internationalen Umfeld bewegen können. Das sind nur Beispiele. Studenten betreuen wir vor und während ihres Studiums mit Praktika, damit sie intensiv in ihr späteres Berufsfeld reinschnuppern können. Nach dem Studium unterstützen wir sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten und in verschiedenen internationalen Traineeprogrammen. Zudem setzen wir uns in verschiedenen Verbänden für Programme ein, die dabei helfen, dass sich mehr Schüler für Technik begeistern und damit auch eine technische Ausbildung absolvieren möchten. Nur als Beispiel: Gemeinsam mit der Deutschen Messe und dem VDMA laden wir Schüler, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, auf die Intralogistikmesse CeMAT ein und bieten ihnen ein umfangreiches Programm, damit sie sich ein gutes Bild über die Perspektiven machen können, die ihnen die Fördertechnik bietet.

ZKG: Wie werden die Mitarbeiter in die Firmenentwicklung einbezogen?

Dr. Beumer: Mitarbeiter sind bei BEUMER Familienmitglieder. Das bedeutet, dass wir immer offen und transparent berichten, was aktuell läuft und wie wir gemeinsam das Unternehmen weiterentwickeln möchten. Das bedeutet auch, dass unser ­Verhältnis auf großem gegenseitigem Vertrauen basiert. Die Mitarbeiter können sich frei entfalten und ihre Ideen verfolgen. Das motiviert viel mehr, als wenn ein „Druck von oben“ aufgebaut werden würde. Nur durch gegenseitiges Vertrauen kann ein solcher Weg erfolgreich sein, den wir in den vergangenen 75 Jahren gemeinsam gegangen sind.

ZKG: Welche Märkte haben derzeit und in Zukunft Wachstumspotenzial?

Dr. Beumer: Die Wachstumsmärkte liegen nach wie vor in den BRIC-Staaten. Ein Beispiel: Als wir vor einigen Jahren nach China gingen, produzierte das Land etwa 700 Millionen Tonnen Zement im Jahr, heute sind es ungefähr 1,2 Milliarden. In China werden im Jahr circa 20 Produktionslinien gebaut, in Europa alle fünf Jahre eine. Deswegen haben wir in China auch seit Jahren eine eigene Fertigung. Auch Indien ist ein sehr wachstumsträchtiger Markt, ebenso wie Brasilien oder Russland. Unser Vorteil ist, dass wir in diesen Märkten schon seit Jahren vor Ort präsent sind und unsere Kunden gut bedienen. Von diesem Vorsprung haben wir profitiert, als sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert hat. Wir setzen natürlich alles daran, diesen Vorsprung zu halten und weiter auszubauen.

ZKG: Durch welche Eigentumsverhältnisse zeichnet sich Beumer aus?

Dr. Beumer: BEUMER ist ein Familienunternehmen. Das bedeutet: Alle Anteile liegen in Familienhand und sind nicht veräußerbar. Wir sind dankbar, dass wir somit unabhängig agieren und das Unternehmen steuern können. Das ist alles seit den Anfängen in einem Vertrag klar geregelt, und das sichert die Zukunft unseres Unternehmens.

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