Zement-Verfahrenstechnik

VDZ-Fachtagung Zement-Verfahrenstechnik, Düsseldorf/Germany (16.02.2012)
Mit Beiträgen zu Modernisierungsmaßnahmen in den Werken und mit allgemeinen Themen bot sich den 230 Teilnehmern der diesjährigen Fachtagung Zement-Verfahrenstechnik (Bild 1) ein interessantes Spektrum an Themen. Nach einer Einleitung von Dr. Martin Schneider (Bild 2), Hauptgeschäftsführer des VDZ, führte Bernward Goedecke (Bild 3), Leiter des Ausschusses „Umwelt und Verfahrenstechnik“, durch das Programm.

Den Anfang machte Dipl.-Ing. Klaus Bauer von der Schwenk Zement KG. Er stellte unter anderem dar, dass die Zementindustrie als ein wichtiger Partner der Entsorgungswirtschaft mittlerweile die Verwertungskette optimiert und perfektioniert hat. Daran anschließend zeigte Dipl.-Ing. Wolfgang Schwarzer, Dyckerhoff AG, wie die Mahltrocknung von Fluff in einer Luftwirbelmühle besonders zur Verarbeitung wechselnd feuchter Ersatzbrennstoffe eingesetzt werden kann. Ihm folgte Dipl.-Ing. Burkhard Wolf von der Holcim (Deutschland) AG zum Thema „Energieeffiziente Konversion der Ofengasentstaubung im Zementwerk Lägerdorf der Holcim (Deutschland) AG - Erfahrungen aus Installation und Betrieb“. Alle Erwartungen an das Projekt wurden voll und ganz erfüllt. 10 m-Filterschläuche haben sich bewährt, eine negative Auswirkung der Schlauchlänge auf das Abreinigungsverhalten ist nicht feststellbar. 12 m (14 m) lange Filterschläuche erscheinen zukünftig mit niederdruck- und „off-line“-abgereinigten Gewebefiltern möglich zu sein (LP-LV u. EMC-Technologie).

„Die Erneuerung der Klinkerproduktion der Zementwerk Leube GmbH in St. Leonhard/Österreich“ war anschließend das Thema des Vortrages von Dr. Günter Waldl vom Zementwerk Leube GmbH. In kürzester Zeit und unter schwierigen räumlichen Gegebenheiten konnte das Modernisierungsprojekt erfolgreich umgesetzt werden.

Dann stellte Dr.-Ing. Martin Oerter, FIZ GmbH ­Düsseldorf, das Thema „Aktuelle Entwicklungen im Umweltrecht – mögliche Auswirkungen auf den Sekundärbrennstoffeinsatz“ vor. Das derzeit wahrscheinliche Szenario einer Abfallhierarchie ist dabei: vermeiden, wiederverwenden, stofflich verwerten (Recycling), thermisch verwerten, umweltfreundlich beseitigen. Die Zementindustrie hat dabei gegenüber anderen Verwertern das Alleinstellungsmerkmal, das Einsatzstoffe einer simultanen stofflichen und energetischen Nutzung zugeführt werden können.

„Oxyfuel – Zukunftstechnologie zur CO2-Minderung in der Zementindustrie“ war das Thema von Dipl.-Ing. Kristina Koring, VDZ Düsseldorf. Oxyfuel ist eine der derzeit am meisten diskutierten Technologien im CCS-Kontext (CCS = Carbon Capture and Sequestration). Obwohl die Oxyfuel-Technologie nach heutigem Stand die günstigste CCS-Methode und technisch möglich und nachrüstbar für Bestandsanlagen ist, bedeutet Ihr Einsatz derzeit noch um ca. 40 % höhere Produktionskosten. Eine erste kommer­zielle Umsetzung ist nicht vor 2030 wahrscheinlich.

„Die Optimierung der Gattierung: Ein Blick in das Innere der Kugelmühle“ stellte Dipl.-Ing. Philipp Fleiger, VDZ Düsseldorf, vor. Mittels experimenteller Versuche und numerischer Lösungen nach der „Diskrete Elemente Methode“ (DEM) oder „Molekulardynamik“ (MD) konnten Einblicke in die Beeinflussung der Mahlanlage durch verschieden Gattierungen erzielt werden. So kann das Verständnis des Mahlvorganges verbessert und der Vorgang selbst optimiert werden.

Daraufhin referierte Dr. Markus Pohl, Dyckerhoff AG über „Betriebserfahrungen mit Walzenschüsselmühlen bei der Mahlung von Hüttensand und Kompositzementen“. Durch zahlreiche Optimierungsmaßnahmen kann eine hohe Verfügbarkeit der Mahlanlage sichergestellt werden. Dazu zählen Rampen (Anfahrbetrieb), Entkoppelung vom Drehrohrofen, optimierte minimale Wassermenge, Position und Neigung der Masterwalzen, Präparation des Gutbettes und Expertensysteme (zurzeit in der Entwicklung). Aus energetischer Sicht ist die Vertikalmühle den traditionellen Mahlverfahren deutlich überlegen, bei Zement um den Faktor 1,7-2, bei Hüttensand um den Faktor 1,5-2. Mahlhilfsmittel verbessern den Sichtprozess, können den Anlagendurchsatz erhöhen und wirken sich positiv auf die Prozessstabilität aus.

Dipl.-Ing. Matthias Trauth, HeidelbergCement AG, zeigte in seinem Vortrag „50 Jahre Arbeits- und Gesundheitsschutz – Ein Rückblick“, wie durch Arbeitsschutzmaß­nahmen Arbeitsunfälle im Laufe der Zeit immer besser verhindert werden konnten. Er wies darauf hin, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz eine Führungsaufgabe ist. Schließlich zeigte Dipl.-Ing. Stephan Schenk, Lafarge ­Zement Wössingen GmbH, in seinem Vortrag „Instandhaltung heute – Planung und Umsetzung mit Hilfe moderner IT-Tools“ wie moderne Computerprogramme Instandhaltungsmaßnahmen (kosten-)effizienter gestalten können.

Zum Abschluss der Veranstaltung wies Dr. Martin Schneider vom VDZ noch auf die Jahrestagung Zement vom 27.–28.09.2012 hin. Im Mittelpunkt werden sowohl energie- und wirtschaftspolitische Fragen als auch aktuelle Themen der Zement- und Betontechnik stehen.

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