Kalkindustrie erwartet leicht rückgängigen Absatz

ASSOCIATION OF THE GERMAN LIME INDUSTRY, GARMISCH-PARTENKIRCHEN/GERMANY (15.06.2012)
In gewohnt familiärer Atmosphäre verlief am 15. Juni 2012 die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Deutschen Kalkindustrie e.V. (BVK). Als Veranstaltungsort hatten die Kölner heuer Garmisch-Partenkirchen gewählt, das mit einer Vielzahl von Freizeitmöglichkeiten für das anschließende Wochenende aufwartete. Mit rund 160 Personen war die Teilnehmerzahl denn auch recht groß.

An die zahlreichen vormittäglichen Arbeitskreissitzungen schloss sich am Freitag nach der Mittagspause die obligatorische Hauptversammlung an. Der wichtigste Punkt hierbei war die Wahl eines neuen Vorsitzenden, da der bisherige Verbandschef Michael Liell, Mitglied der Geschäftsführung der Rheinkalk GmbH, Wülfrath, (Bild 1) nach sieben Jahren an der Spitze des BVK nicht mehr zur Verfügung stand. Einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde Dr. Thomas Stumpf, Mitglied der Geschäftsführung der Fels-Werke GmbH, Goslar (Bild 2). Als stellvertretenden Vorsitzenden bestätigte die Versammlung erneut Moritz Iseke, geschäftsführender Gesellschafter der Kalkwerke H. Oetelshofen GmbH & Co. KG, Wuppertal. Beide freuen sich, die deutsche Kalkindustrie in den kommenden zwei Jahren gemeinsam mit BVK-Haupt­geschäftsführer Martin Ogilvie vertreten zu können.

„Nur mit industrieller Stärke können wir die Lasten Europas schultern. Wir brauchen die industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland und können nicht zulassen, dass diese weiter beeinträchtigt werden“ appellierte Liell in seiner letzten Ansprache als BVK-Vorsitzender an die Politik in Berlin und Brüssel. Auch die Risiken aus der Energiewende seien zu beachten. Nicht nur eine klimafreundliche Energiepolitik sei das Ziel, ­Energie müsse auch versorgungssicher bereitgestellt werden und bezahlbar sein, so ­Liell weiter: „Mit einem Anteil von circa 40 % sind die Energiekosten der bestimmende Faktor der Kalkindustrie“.

In seinem Jahresbericht stellte der scheidende Vorsitzende auch die aktuellen Zahlen der Kalkindustrie vor: Der Marktabsatz bei den ungebrannten Erzeugnissen habe 2011 18,4 Mio. t betragen und sei damit gegenüber dem Vorjahr um mehr als 2 % gestiegen. Von den 18,4 Mio. t ungebrannter Kalkprodukte wurden ca. 40 % für Anwendungen des Baugewerbes und insbesondere für den Straßen- und Wegebau geliefert, sagte Liell. Mit einem Absatzplus von 2 % in 2011 habe der Markt der gebrannten Kalkprodukte etwas mehr als 6,5 Mio. t betragen. Das zunächst positive Ergebnis sei aber fast ausschließlich von der überproportionalen Erholung der Kalklieferungen an die Baustoffindustrie getragen worden. „Die übrigen Verbrauchersegmente waren konstant bzw. rückläufig“, so Liell.

Die weiteren Zahlen: Für industrielle Zwecke sind 3,1 Mio. Tonnen Kalke geliefert worden. Wie im Vorjahr betrug der Absatz an die Eisen- und Stahlindustrie 2,4 Mio. t. Die Lieferungen für Umweltschutzanwendungen waren um 1,7 % rückläufig und betrugen ca. 1,3 Mio. t. Überproportional zurückgegangen sind die Lieferungen von Kalken für die Luftreinhaltung (-5 %). Rückläufig waren auch die Lieferungen an das Baugewerbe (-12,3 %). Hierbei sind vor allem die rückläufigen Lieferungen an den Straßen- und Wegebau (-16,8 %) zu erwähnen.

Die Absatzentwicklung im 1. Quartal 2012 habe sich gegenüber 2011 negativ entwickelt, fuhr Liell fort. Bei den gebrannten Produkten habe die Branche mit 1,52 Mio. t 3,7 % weniger abgesetzt als im vergangenen Jahr. Das Plus im Bereich der Baustoffe und im Umweltschutzbereich habe das Minus aus den wichtigen Bereichen Stahl- und Chemieindustrie nicht ausgleichen können, schloss der scheidende BVK-Vorsitzende. „Die deutsche Kalkindustrie geht daher auch wegen des Rückgangs im Automobilmarkt und bei den Ausrüstungsinvestitionen davon aus, dass über das Jahr 2012 das Ergebnis des Jahres 2011 nicht erreicht werden kann.“

Schließlich ging Liell noch auf die Auswirkungen des Emissionshandels ein. Es sei davon auszugehen, dass zum Ende der dritten Handelsperiode über alle Anlagen der Kalkindustrie in Deutschland gut 20 % der Zertifikate zugekauft werden müssten. Dies bedeute – neben den steigenden Energiepreisen – eine weitere Belastung für die Kalkindustrie. Es sei auch nicht zu erwarten, dass die Preise für CO2-Zertifikate auf dem heutigen Niveau verharrten. Dabei seien die Produktivität der Branche und die energetische Leistung der Brennöfen nahezu ausgereizt. Die zusätzlichen Kosten könnten nicht mehr durch weitere Kostenreduzierungen aufgefangen werden.

Anschließend legte Martin Ogilvie, Hauptgeschäftsführer des BVK (Bild 3), den Geschäftsbericht 2011/2012 vor und erläuterte die wichtigsten Themenbereiche. Hierbei wurde deutlich, dass die Produkte der Kalkindustrie für den Industriestandort Deutschland unverzichtbar sind, da Kalkstein und Kalk am Anfang zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten stehen. Von den aktuellen Kernbereichen der Verbandstätigkeit stehen nach Aussage ­Ogilvies die Lobbyarbeit in Berlin und Brüssel zu den Themen Energiewende, Klimapolitik und ETS sowie der Neuregelung des Spitzenausgleichs im Vordergrund.

Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Wolfgang Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Köln, mit dem Thema „Deutsche Industrie: Was trägt den Erfolg in der Zukunft?“ (Bild 4).

Die nächste Mitgliederversammlung des BVK findet voraussichtlich im Juni 2013 in Warnemünde (Ostsee) statt.

www.kalk.de

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