Herausforderungen und Möglichkeiten für die europäische Zementindustrie

CEMBUREAU
Koen Coppenholle ist der neue Vorstandsvorsitzende von Cembureau. Er ist Nachfolger von Jean-Marie Chandelle (Bild 1), der Ende Juni in den Ruhestand trat. Seit November 2007 war Coppenholle Leiter der Abteilung Europäische Angelegenheiten des Stahlkonzerns ArcelorMittal. Zwischen September 2000 und November 2007 war er Berater für europäische ­Angelegenheiten von ­General Electric Europe in Brüssel.

Ignacio Madridejos (Bild 2), Präsident von Cembureau, sagte: „Ich bin sicher, dass Koen der Herausforderung, die Zementindustrie in dieser sich ständig ändernden Welt zu positionieren, gerecht werden wird. Außerdem möchte ich Jean-Marie Chandelle für seine Arbeit in 16 Jahren als Vorstandsvorsitzender von ­Cembureau danken.“ ­Jean-­Marie Chandelle fügte hinzu: „Ich möchte mei­nem Nachfolger Koen alles Gute für seine neue Aufgabe wünschen. Es liegen viele Möglichkeiten vor ihm, und ich bin sicher, dass die Zementindustrie unter seiner Führung das Beste aus ihnen machen wird.“

Cembureau gab auch die Ernennung von Claude ­Loréa (Bild 3) als Technische Direktorin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbands bekannt.

ZKG sprach mit Koen Coppenholle über zukünftige Herausforderungen und Möglichkeiten für die europäische Zementindustrie.

ZKG: Herr Coppenholle, was ist Ihr Eindruck zu den gegen­wärtigen Herausforderungen an die Ziele für die euro­päische Zementindustrie?
Koen Coppenholle: Was die Herausforderungen betrifft, ist es klar, dass sich die Zementindustrie auf ihre Wettbewerbsfähigkeit in Europa konzentrieren muss. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Wachstum und Arbeitsplätze zu sichern, braucht die Zementindustrie einen Ordnungsrahmen für eine gesetzliche Sicherheit und Vorhersehbarkeit, und um ein globales Agieren zu garantieren. Unsere Herausforderung und unser Ziel bleiben es, diese Botschaft an die politischen Entscheidungsträger zu übermitteln und für eine kontinuierliche Politik zu sorgen, die den richtigen und permanenten Bewertungen der Auswirkungen folgt und die Verfügbarkeit von Technologien berücksichtigt.

Vor dem Hintergrund der richtigen Bedingungen für eine wettbewerbsfähige Zementindustrie in Europa leistet Cembureau auch zu anderen Themen auf der ­europäischen Tagesordnung einen Beitrag, wie z. B. ­Artenvielfalt, Ressourceneffizienz und nachhaltiges Bauen. In seinen politischen Botschaften unterstreicht Cembureau in starkem Maße das Verarbeiten von alternativen Roh- und Brennstoffen als einen herausragenden Beitrag zur Ressourceneffizienz und als eine optimale Methode, die Abhängigkeit von Brennstoffen und Rohmaterialien zu reduzieren sowie die CO2-Emissionen zu verringern.

Was die Artenvielfalt betrifft, vertritt Cembureau weiterhin den Standpunkt, dass Abbauaktivitäten weiterentwickelt und dabei die Ziele der Artenvielfalt durch ein richtiges Management derselben während der Abbauphase erreicht werden können. So kann die Artenvielfalt bei einer Verträglichkeit mit den Abbauaktivitäten und des Ressourcenmanagements erhalten werden.

Ein weiteres Schwerpunktthema von Cembureau ist nachhaltiges Bauen. Auf diesem Gebiet treten wir für eine integrierte Strategie ein, die den gesamten Lebenszyklus des Endprodukts berücksichtigt, d. h. das Gebäude oder Bauwerk.

ZKG: Welche Themen haben Vorrang und welche sollen folgen?
Koen Coppenholle: Um einen entsprechenden Ordnungsrahmen für die Zementindustrie zu schaffen, müssen wir dabei alle Faktoren berücksichtigen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen. Auch mittel- und langfristige Herausforderungen verdienen eine ordnungsgemäße Beachtung. Beispielsweise können wir auf die europäische Gesetzgebung zum Klimawandel Bezug nehmen, wobei das Risiko des Carbon Leakage eine Realität bleibt und zum Verlust von Arbeitsplätzen, Investitionen und Wachstum in Europa führen kann. Daher werden sich die Aktionen von Cembureau weiter stark darauf konzentrieren, den Status des Carbon Leakage zu behalten. Gleichzeitig werden wir aber auch die mittel- und langfristige Politik im Auge behalten, die die Debatte zum Klimawandel beeinflusst, wie z. B. Überlegungen zum Zusammenspiel zwischen Energie und Klimawandel oder die Aussichten für die Industrie hinsichtlich der technologischen Entwicklung, Emissionen und wirtschaftlichen Zukunft über einen längeren Zeitraum.

Cembureau hat eine Liste mit den zehn ersten Prioritäten erarbeitet, die die o. a. Probleme umfasst und in der klargestellt wird, dass man sowohl an kurz- als auch an längerfristigen Problemen arbeiten wird, da sie alle den Weg bilden, auf dem die Industrie sich positionieren muss.

ZKG: Welche Schwerpunkte oder Methoden Ihres Vorgängers werden Sie weiterentwickeln, und auf welchen Gebieten möchten Sie neue Meilensteine setzen?
Koen Coppenholle: Viele meiner geplanten Aktionen und Initiativen in Richtung Politik sind Weiterentwicklungen von Schritten, die mein Vorgänger auf den Weg gebracht hat. Er wird uns auch weiterhin zu einer Reihe von wichtigen Problemen beraten, vor allem auf dem Gebiet des nachhaltigen Bauens. Besonders in diesem Bereich hat Jean-Marie Chandelle immer die Bedeutung von ­Zement und Beton für die Schaffung von wirtschaftlichem Wachstum und Arbeitsplätzen betont, wobei eine verbesserte Infrastruktur in der EU die Wettbewerbsfähigkeit verbessern wird. Der neuerliche Fokus der EU Kommission auf den Bausektor und speziell ihre „Kommunikation zu einer Strategie der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit der Bauindustrie und ihrer Unternehmen“ vom 31.07.2012 werden es uns gestatten, weiter unsere Kenntnisse mit den politischen Entscheidungsträgern hinsichtlich der Bedeutung des Bausektors für das Wohl Europas zu vertiefen.

Ich betrachte es als meine Hauptherausforderung und -aufgabe, Cembureau proaktiv einzubringen, indem die Bedeutung der Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit – und hier müssen wir die zunehmende Bedeutung der Verbindung zwischen Klimawandel und Energiepolitik betonen – und die Notwendigkeit für die politischen Entscheidungsträger hervorgehoben wird, die gesamte Bandbreite der unterstützenden Maßnahmen bei Initiativen zu berücksichtigen, damit die Zementindustrie dauerhafte politische Rahmenbedingungen für die Gewinnung ihrer Rohmaterialien, für die Prozessphase sowie für die Produktentwicklung und die Endnutzung ihrer Produkte hat.

ZKG: Danke für das Gespräch und alles Gute für Ihre Arbeit.

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