Lebhafte Diskussionen zwischen Hersteller und Anwender

Vier Jahre nach dem Jubiläumssymposium zum 100jährigen Bestehen der Loesche GmbH in Düsseldorf/Deutschland hat Loesche vom 09.–10.09.2010 wieder zu einem ­Symposium eingeladen. Rund 200 Kunden und Partner folgten dem ­interessanten, vielseitigen und sehr ausgewogenen Vortragsprogramm im Düsseldorfer Hotel Intercontinental.

 

In seiner Eröffnungsrede wies Dr. Thomas Loesche (Bild 1) vor allem auf die hohen Investitionen im Bereich des Technikums in Neuss hin. Durch Variationen der Mahlparameter kommt es heute vor allem darauf an, den Energieverbrauch und den Wasserbedarf zu senken. Nach wie vor ist ­Loesche Spezialist für Mahlanlagen mit hohen Durchsätzen. Neben den Großmühlen wurden jedoch auch kleinere, teilweise sogar mobile Mahlanlagen vermehrt angefragt. Diese Herausforderung nimmt Loesche als innovatives Unternehmen an und entwickelt auch für diese Anwendungen neue Konzepte.


Das zweitägige Vortragprogramm startete mit dem Beitrag „Die gegenwärtige Lage und Perspektiven der Grundstoffindustrien“ von Dr. Joachim Harder. Er zeigte auf, dass trotz der globalen Krise die Entwicklungsländer eine positive Wachstumsrate zu verzeichnen hatten. China ist die treibende Kraft im Bergbau – bei den ­Erzeugnissen hüttenmännische
Kohle und Eisen beansprucht China mehr als 50 % des gesamten Weltbedarfs. Bei der Technologieentwicklung werden in Zukunft Umweltaspekte einen immer wesentlicheren Einfluss haben. Die Qualität der Rohstoffressourcen wird abnehmen.

 

Prof. Dr.-Ing. habil. Jochen Stark ging in seinem Vortrag „Die Hydratation von Zement und die Mikrostruktur von Beton“ vor allem auf die Wechselwirkung zwischen der Ausbildung von Zementphasen im Nanometerbereich und der resultierenden makroskopischen Eigenschaften im Zement und Beton ein. 2009 wurde am Finger-Institut in Weimar ein neues hochauflösendes Rastelektronenmikroskop, ein Nova NanoSEM, angeschafft. Mit dem Gerät können Hydratationsprozesse unter Normaldruck und ohne Oberflächenbedampfung untersucht und so erstmals die wirklichen Strukturen von CSH-Phasen ohne Artefakte dargestellt werden.

Thematisch an den Vorredner anschließend stellte Prof. Dr.-Ing. Horst-Michael Ludwig
(Bild 2) von der Bauhaus-Universität Weimar die neusten Forschungsergebnisse zum Thema CO2-Reduktion bei der Zementherstellung in seiner Präsentation „Produktion und Eigenschaften von nachhaltigen und effizienten Bindemitteln“ vor. Bereits heute ist eine Verschiebung von reinen Portlandzementen zu Portland-Kompositzementen erkennbar. Ludwig wies aber darauf hin, dass auch die Verfügbarkeit von Kompositmaterialien begrenzt ist. Deshalb rücken weltweit neue alternative Bindemittel in den Vordergrund der Zementproduktion und der Materialforschung. Um die Anfangsfestigkeiten von Kompositzementen – ein vielfach für die Verarbeitung gefordertes Kriterium – zu steigern, diskutierte Ludwig drei mögliche Wege wie den Einsatz von organischen und anorganischen Zusatzstoffen, den Einsatz von Keimbildnern und die Nutzung tribochemischer Effekte beim Mahlen.

 

Neben der Suche nach SCMs (supplementary cementitious materials) gilt die Aufmerksamkeit der Forschung auch der Suche nach neuen hydraulisch aktiven Stoffen, wobei Ludwig auch dort verschiedene Wege aufzeigte:

– Geopolymere (alkaliaktiviertes Metakaolin, Schlacke bzw. Asche, OPC 0 %)

– Sulfathüttenzemente (Schlacke, Anhydrit, OPC < 5 %)

– Kalzium-Sulfoaluminat (-ferrit) Belit-Zement

– Auf MgO–basierende Bindemittelsysteme (TecEco, Imperial College)

– CSH–Bindemittel hergestellt im Autoklaven mit anschließender Reaktionsmahlung

– Organische Klebstoffe für Gesteinskörnungen (BASF)

– C-Fix (eine Technologie der Shell AG)

 

Welche Kräfte ein Berg beim Tunnelbau auf Befestigungs- und Stützelemente ausübt und welche speziellen Anforderungen an die Betondecke und deren Verankerung gestellt werden, zeigte Dipl.-Ing. Andreas Schaab von HOCHTIEF Consult Materials in seinem Vortrag „Der neue Gotthard-Basistunnel – Beton für den längsten Tunnel der Welt“.

 

Dr. Daniel Strohmeyer, Vertriebsingenieur Loesche GmbH, ging in seinem Vortrag „Loesche Mühlen für Zement und Zuschlagstoffe“ verstärkt auf den Ein­-
satz der Wälzmühlen bei der Zementherstellung ein (Bild 3). Dabei zeigte er, in welchen Produktionsschritten Loesche-Mühlen zum Einsatz kommen können. Besonders interessant für den Anwender war die Analyse der Mahlbarkeit der Klinker in Abhängigkeit von der mineralischen Zusammensetzung und dem Klinkergefüge. Dabei stützte Strohmeyer sich auch auf die Erfahrung bei der Installation von 210 Loesche-Mühlen für die Zementherstellung weltweit, von denen derzeit ca. 140 Mühlen in Betrieb sind.

 

„Die Erfahrungen von Vicat mit der Loesche-VRM-Mühle“, so die Überschrift des Beitrages von Dominique Renié, Technischer Direktor bei Vicat (Bild 4). An einer Reihe von mit Loesche durchgeführten Mühlenprojekten zeigte Renié sowohl aufgetretene Probleme als auch deren Lösungen und Verbesserungen auf. So konnte durch ein Feintuning der Mühlenparameter der Energieverbrauch gesenkt und durch Design­veränderung der Abrieb der Mahlwalzen reduziert werden. Zusammenfassend stellte Renié fest, dass bei den umfangreichen durchgeführten Anpassungen Loesche Vicat stets mit Inbetriebnahmeingenieuren zur Seite stand und durch deren Support schließlich beachtliche Energiekosten gespart werden konnten.

 

Der folgende Vortrag entführte die Zuhörer nach Südafrika, in das Werk Roodepoort von AfriSam. Gavin Venter (Bild 5) von AfriSam Process Optimisation beschrieb seine Erfahrungen mit der Projektvergabe und Inbetriebnahme einer neuen Vertikalmühle für die Mahlung von Zement mit großer spezifischer Oberfläche. Beim Vergleich verschiedener Anbieter ­konnte ­Loesche die Projektvergabe aufgrund kurzer Lieferzeiten, geringerem Energieverbrauch und längerer Garantiezeiten für sich entschieden. Neben anderen war ein weiterer großer Pluspunkt die Abwicklung des Projekts über die Tochtergesellschaft in Südafrika. Nach Aufstellung und ersten Mühlentests gab es eine Reihe von Anpassungen: die Wassereinspritzanlage ­wurde modifiziert, der Neigungswinkel der Mahlwalzen verändert und die Luftzuführung optimiert. Im Endergebnis war die Neuin­stallation erfolgreich und die vorher vereinbarten Ziele konnten ereicht werden, wobei ein großer Vorteil auch die leichte Be­dienbarkeit der Loesche-Mühle darstellt.

 

Bevor der Nachmittag im Zeichen der Mühlentechnik stand, folgte erst noch ein Anwenderbericht einer Mühlenmodernisierung in Saint Pierre la Cour. Wolfgang Stoiber (Bild 6), Divisional Senior Expert in Grinding bei Lafarge, beschrieb die Installation einer Loesche LM 46.2+2C für die Zementmahlung, wobei die wesentlichen Ziele in der Energieeinsparung und in der Erhöhung der Kapazität bestanden. Bei Inbetriebnahme der Mühle wurden an den folgenden Prozessen Optimierungen vorgenommen: Wassereinspritzung, Einstellung des Verschleiß- und Abdichtrings, Materialaufgabe, Mühlenlüftung.

 

Michael Keyssner (Bild 7), Direktor Forschung & Entwicklung Loesche GmbH, trug zum Thema “Neueste Entwicklungen an den Loesche-Mühlen in Bezug auf Energieeinsparungen und Minderung des CO2-Ausstoßes” vor. In seiner Präsentation diskutierte er eine Reihe von Forschungsprojekten. Dazu gehört u.a. die Entwicklung eines Wirbelgleichrichters, um den Druckabfall im Mühlen-Sichterbereich zur reduzieren. Die Optimierung erfolgte mit CFD-Simulationen und kann zu einer Energieeinsparung beim Mühlengebläse um 4–8 % führen. Weiterhin erlaubt eine neue Geometrie und Position der S-Walzen eine bessere Vorbereitung und Entlüftung des Mahlbetts.

 

Über „Energieeinsparungen in Mahlanlagen für Klinker/
Schlacke durch die wirtschaftliche Nutzung der Abwärme”
(Bild 8) referierte Michael Buchanenko, Projekingenieur ­Loesche GmbH. Die jährlichen Energieeinsparungen können dabei bis zu 13  % betragen, demgegenüber stehen Investitionskosten von 500 000 €. Zusätzliche Vorteile bei Nutzung eines Wärmerückgewinnungssystems sind folgende:

– Nutzung des Kondenswassers als Mühleneinspritzwasser

– Minderung des Falschlufteintrags in das System, Ersatz durch vorerhitzte Umgebungsluft

– Vorerhitzung der Frischluft für die mittleren Luftklappen

– Teilweiser Ersatz der Umluft durch vorerhitzte Außenluft =>Herabsetzung des Taupunkts => Möglichkeit, die Temperatur am Auslauf der Mühle herabzusetzen (falls andere Faktoren dies nicht verhindern). Von dem Ersatz des nassen Umwälzgases durch vorerhitzte Außenluft erwartet man  Vorteile in Bezug auf das Betriebsverhalten der Mühle sowie auf die Qualität des Produktes.

 

Abschließend präsentierte Tony ­Hadley (Bild 9) von Baobab Advisory SARL
„Die Wertschöpfungskette der Zement­herstellung – Eine nicht-technische Über­sicht der Verfahrensoptimierung“, wobei er die Zulieferer aufforderte mehr über die globalen Industrietrends nachzudenken und ihre Angebote mehr auf die Entscheider in der Marketingebene zu­zuschneiden.


Der nächste Tag startete mit dem Vor­-
trag „Ein innovativer und wirtschaftlicher Weg zur Einhaltung der Emissionsgrenzwerte“ von Ed Jamieson, Group Head Emissions Control, RWE npower, wobei vor allem auf die Einhaltung der Grenzwerte in NOx und SOx eingegangen ­wurde.

In seiner Präsentation „Das Kohle-Veredlungsverfahren von Loesche” (Bild 10) ging Gerhard Salewski, Corporate Manager Sales & Marketing Loesche GmbH, auf die Kohleveredelung ein, wobei der Einsatz von Braunkohlen bzw. subbituminösen Kohlesorten in diversen Anwendungen im Mittelpunkt stand. Die Idee dieses Prozesses besteht in der Herstellung höher qualitativer Brennstoffe auf der Basis kostengünstiger und langfristig verfügbarer Kohlesorten.

 

Dr. Christian Barczus, Heißgaserzeugeer Loesche GmbH, und André Bätz, Technikum Loesche GmbH, gingen auf das Thema „Kohlebefeuerte Heißgaserzeuger: Verwendung und Studien für die Anwendung in der Grundstoffindustrie“ (Bild 11) näher ein. Hierbei zeigten sie folgende Schwerpunkte:

– Aktuelle Forschungsergebnisse einer Pilot-Anlage eines kohlebefeuerten nicht ausgemauerten LOMA HGGs

– Die Umsetzung in Großanlagentechnik

– Den Ersatz von öl - bzw. gasbeheizten HGGs durch kohlebefeuerte Varianten

– Den Ersatz von ausgemauerten HGGs mit LOMA-HGGs zur schnelleren Temperaturregelung von Trocknungs- und Trockenmahlverfahren

– Den Einsatz in Kohleveredlungsanlagen und als Ersatz für synthesegas-befeuerte HGGs in Kohlevergasungskraftwerken (IGCC-Kraftwerke)

-  Bau einer eigenen LOMA-Versuchsanlage mit 1 MW thermisch im Loesche Technikum in Neuss

 

In einer kurzen, knappen aber sehr anschaulichen Darstellung zeigte Oleg Matyushenko von Mechel Holding die speziellen Anforderungen an den Transport, die Lagerung und die Verarbeitung von Kohle in Russland auf, wobei er den möglichen Einsatz von Vertikalrollenmühlen und das große Potential im Bereich der Anlagenmodernisierung einging.

 

Wurden beim letzten ­Loesche-Symposium noch besonders große Mühlen favorisiert, geht jetzt der Trend auch zu kleineren, mobilen und kompakten Mahlanlagen (Bild 12). Matthias Authenrieth, MD ­Loesche Automation GmbH, stellte den Zuhörern die Mahlanlage CGP mobile vor, die im Container untergebracht werden kann. In einem zweiten Teil seines Vortrages stellte er das Department ­Industrial Automation vor. Aus dem Bereich Automation gibt es eine Reihe neuer Produkte zur Steuerung und Automatisierung von Prozessen, wie LM control®, LM expert®, LM sim® und LM remote®.


Andre Bubholz von der Siemens Flender AG stellte das neue Flender-Getriebe EMPP für vertikale Wälzmühlen vor. Die Vorteile des EMPP-Getriebes bestehen u.a. in einem Ausschluss von Lastpulsen durch schnelles Wiederanschalten, einer optimierte Leistungsübertragung vom Antrieb auf die Mühle und einer reduzierten Anzahl anfälliger Bauteile bei einem erweiterten Leistungsbreich von bis zu
15 MW ohne zusätzliche Kühlung.

 

„Die Verfügbarkeit erhöhen, Zuverlässigkeit verbessern, Kosten reduzieren“ war das Thema von Ralph Viebrock, Customer Service Loesche GmbH. Viebrock stellte die einzelnen Dienstleistungen Schulung (intern/extern), Dienstleistungsverträge, Audit, Betreuung, Auf- und Nachrüstungen/technische Entwicklungen, individualisierte Dienstleistungen, Ersatzteile dem Auditorium näher vor.

 

Erfahrungen mit dem Loesche-Kundenservice gab Bob ­McQuiston von Lehigh Cement, Union Bridge dem Auditorium weiter, wobei Loesche eine 4-stufige interne Initiative zur Verbesserung der einzelnen Prozesse und der Kundenzufriedenheit startete. Lehigh und Loesche führten gemeinsam einen eintägigen Workshop durch, unterstützt von MSR Consulting. Nicht nur ­Loesche profitierte von dem Workshop, auch die Mitarbeiter von Lehigh verstanden Abläufe besser und hatten einen engeren Kontakt zu den Service-Ingenieuren des Mühlenbauers. McQuiston schloss seinen Vortrag mit den Worten „Ich fordere jeden einzelnen von Ihnen auf, an dieser großartigen Initiative teilzunehmen!“

 

Dr. Robert Salter von Mineral Solutions gab einen Überblick über die Aktivitäten auf dem Gebiet der Buntmetalle in Kanada und den USA, dabei stand vor allem auch der Technologievergleich bei der Veredelung von Nickelerzen im Mittelpunkt.

 

Zerkleinerung von Erzen in Loesche-Mühlen ist die „Technologie für die Zukunft“ postulierte Carsten Gerold, Forschung & Entwicklung Loesche GmbH. Verglichen mit der Zementindustrie werden bei der Erzaufbereitung verschiedene Anforderungen an die Mahlung gestellt, die über eine reine Zerkleinerung hinausgehen. Es wurde herausgestellt, dass die Loesche-Mahltechnololgie die sich global verändernden Anfoderungen erfüllt, d.h. energiesparendere und effizientere Zerkleinerungstechnologien bei gleichzeitig vereinfachter Prozessführung.

 

Nach diesen zwei überaus interessanten, lehrreichen und von intensivem Erfahrungsaustausch geprägten Tagen beschloss
Dr. Thomas Loesche die Vortragsveranstaltung. Das Loesche-Symposium aber ging noch weiter, die Teilnehmer konnten Ihre Kontakte beim Galadinner auf der Zeche Zollverein in Essen weiter vertiefen.

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